Eine Diagnose verändert von einem Moment auf den anderen alles. Nicht nur für den Menschen, der erkrankt, sondern auch für die, die ihn lieben.

Plötzlich ist da eine Angst, die sich schwer in Worte fassen lässt, und daneben das Gefühl, stark sein zu müssen. Oft richtet sich alle Aufmerksamkeit auf die erkrankte Person, und das ist verständlich. Doch auch die Angehörigen tragen viel.

Da ist die Sorge, die nachts nicht schlafen lässt. Da ist die Erschöpfung vom Funktionieren. Und manchmal ist da auch Wut, Überforderung oder der heimliche Wunsch, dass alles einfach vorbei wäre, gefolgt von einem schlechten Gewissen.

Gefühle fragen nicht danach, ob sie gerade passen.

Darf man sich hilflos fühlen, wenn ein anderer so viel Schwereres durchmacht? Ja. Hilflosigkeit, Angst und Trauer bedeuten nicht, dass man zu wenig stark oder zu wenig dankbar ist. Sie sind eine menschliche Antwort auf eine Situation, die größer ist als man selbst.

Gerade weil so viel Kraft nach außen geht, ist es wichtig, auch den eigenen Boden nicht zu verlieren. Kleine Pausen, ein ehrliches Gespräch, ein Ort, an dem man nicht stark sein muss. Wer für andere da ist, darf auch für sich selbst sorgen. Das ist kein Egoismus, sondern das, was auf Dauer tragfähig macht.

Manchmal hilft es, mit einer nicht beteiligten Person zu sprechen. Mit jemandem, bei dem man nicht beschützen oder zusammenhalten muss, sondern einfach fühlen darf, was gerade ist. Ein geschützter Raum, in dem auch die eigene Erschütterung Platz hat.

Niemand muss diese Last allein tragen. Sich Unterstützung zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Fürsorge, auch für sich selbst.