Ein Neuanfang im Ausland klingt nach Abenteuer. Doch für viele Expat-Frauen bedeutet dieser Schritt den Verzicht auf den eigenen Beruf, das vertraute Umfeld und die gewohnte Unabhängigkeit.

Stattdessen füllt die Fürsorge für Kinder und Haushalt den Alltag aus. Nach außen wirkt das oft wie ein Privileg, für das man dankbar sein müsste. Doch Dankbarkeit schließt Überforderung, Einsamkeit und Zweifel nicht aus.

Wenn der Partner beruflich Kontakte knüpft, während die eigene Identität zunehmend auf die Mutterrolle beschränkt ist, können Fragen auftauchen. Wie wäre mein Leben ohne Kinder? Vermisse ich die Frau, die ich früher war? Solche Gedanken sind schwer auszusprechen, gerade weil von außen alles gut aussieht. Und doch tragen viele Frauen sie mit sich, still und oft mit schlechtem Gewissen.

Dankbarkeit schließt Überforderung, Einsamkeit und Zweifel nicht aus.

Das Phänomen Regretting Motherhood bedeutet nicht, dass die Liebe zum Kind fehlt. Es kann auch mit dem Vermissen von Freiraum, beruflicher Selbstwirksamkeit und Spontanität verbunden sein. Solche Gedanken machen niemanden zu einer schlechten Mutter. Sie können eine Reaktion auf die Veränderung des eigenen Lebens sein.

Niemand muss mit diesen Gedanken allein bleiben. Es kann hilfreich sein, darüber zu sprechen, etwa mit Familie und Freundinnen oder im Rahmen einer Psychotherapie. Ein geschützter Raum, in dem auch das Widersprüchliche sein darf, ohne Bewertung.

Man darf die eigenen Kinder lieben und sich gleichzeitig nach dem Leben sehnen, das einmal war. Beides gehört zusammen, und beides darf da sein.